Die digitale Basis schaffen
Hinweis: Alle in diesem Kurs erwähnten Tools, aktuelle Preise und Alternativen findest du im Tool-Register am Ende des Kurses. Die Kursinhalte sind so geschrieben, dass sie mit jedem gängigen KI-Tool funktionieren.
Du kennst das: Die Mitgliederliste liegt in einer Excel-Tabelle auf dem Rechner der Schatzmeisterin. Die Protokolle der letzten drei Vorstandssitzungen stecken in einem Aktenordner. Die Fotos vom Sommerfest sind irgendwo auf dem Handy des Jugendleiters. Und die Passwörter für die Website? Die hatte der alte Vorsitzende, der 2022 aufgehört hat. Bevor du KI sinnvoll einsetzen kannst, braucht dein Verein ein digitales Fundament. Dieses Fundament baust du in dieser Lektion.
Wo die meisten Vereine heute stehen
Abschnitt betitelt „Wo die meisten Vereine heute stehen“Die typische IT-Landschaft eines deutschen Vereins sieht so aus:
Papier und Ordner. Satzung, Gründungsurkunde, Vereinsregister-Auszug, Versicherungspolice. Alles ausgedruckt, alles im Schrank. Manche Vereine haben diese Dokumente nie digitalisiert. Das bedeutet: Wenn der Ordner weg ist, ist das Wissen weg.
Excel-Listen. Die Mitgliederverwaltung läuft über eine Tabelle, die vor zehn Jahren jemand angelegt hat. Sie hat 47 Spalten, vier verschiedene Datumsformate und drei Reiter die niemand mehr versteht. Die Liste funktioniert. Aber sie ist nicht durchsuchbar, nicht teilbar und nicht mit anderen Systemen verknüpfbar.
WhatsApp-Gruppen. Die schnelle Absprache findet über WhatsApp statt. Das Problem: Beschlüsse verschwinden im Chat-Verlauf. Dateien lassen sich nicht ordentlich ablegen. Und neue Vorstandsmitglieder bekommen den Kontext der letzten zwei Jahre nicht mit.
Eine Website von 2017. Irgendwann hat jemand eine Website gebaut. Seitdem steht dort “Nächster Termin: Weihnachtsfeier 2019”. Die Seite läuft auf einem System, das niemand aktualisiert. Vielleicht WordPress, vielleicht ein Homepage-Baukasten. Den Zugang hat… ja, wer eigentlich?
Das ist kein Versagen. Das ist Normalität. 77 Prozent der Vereine bezeichnen Bürokratie als ihre größte Belastung. Mit durchschnittlich 42 Tagen pro Jahr für Papierkram bleibt wenig Zeit, um auch noch die IT aufzuräumen.
Was “Cloud” wirklich bedeutet
Abschnitt betitelt „Was “Cloud” wirklich bedeutet“Cloud ist kein Hexenwerk. Cloud bedeutet: Deine Dateien liegen auf einem Server im Internet statt nur auf einem einzelnen Computer. Du erreichst sie von jedem Gerät mit Internetverbindung.
Drei Vorteile für Vereine:
Gemeinsamer Zugriff. Die Vorsitzende kann die Mitgliederliste bearbeiten. Die Schatzmeisterin sieht die Änderungen sofort. Niemand muss eine Datei per E-Mail hin- und herschicken.
Datensicherheit. Wenn der Laptop der Schriftführerin kaputtgeht, sind die Dateien trotzdem da. Cloud-Dienste erstellen automatische Sicherungskopien.
Ortsunabhängigkeit. Der Vorstand kann von zuhause, vom Vereinsheim oder vom Smartphone aus auf alle Unterlagen zugreifen.
Für Vereine eignen sich diese kostenlosen Optionen:
| Dienst | Speicher (kostenlos) | Geeignet für |
|---|---|---|
| Google Drive | 15 GB | Dokumente, Tabellen, Zusammenarbeit |
| Microsoft OneDrive | 5 GB | Vereine die mit Word/Excel arbeiten |
| Nextcloud | Selbst gehostet | Vereine mit eigenem Server oder Datenschutz-Anforderungen |
Für die meisten Vereine reicht Google Drive oder OneDrive. Beide bieten Texterarbeitung, Tabellenkalkulation und Dateispeicher in einem Paket.
Praxistipp Erstelle einen eigenen Vereins-Account bei Google oder Microsoft (z.B. vorstand@dein-verein.de). Nutze nie die privaten Accounts von Vorstandsmitgliedern. Wenn jemand den Vorstand verlässt, übergibt er den Zugang zum Vereins-Account. Fertig.
Moderne Vereinssoftware im Überblick
Abschnitt betitelt „Moderne Vereinssoftware im Überblick“Neben Cloud-Speicher gibt es spezialisierte Software für Vereinsverwaltung. Diese Programme ersetzen die Excel-Mitgliederliste durch eine echte Datenbank mit Beitragsverwaltung, Kommunikationstools und Buchhaltung.
Es gibt mehrere Optionen für Vereinssoftware — von kostenlos bis zu moderaten monatlichen Gebühren. Eine aktuelle Übersicht mit Preisen, Stärken und Links findest du im Tool-Register am Ende des Kurses.
Du musst dich jetzt nicht für eine Software entscheiden. Für den Start in diesem Kurs reicht deine bestehende Vereins-Infrastruktur. Die Checkliste am Ende dieser Lektion zeigt dir, wo du stehst und was du als Erstes anpacken solltest.
Von der Excel-Liste zur strukturierten Datenbank
Abschnitt betitelt „Von der Excel-Liste zur strukturierten Datenbank“Der häufigste erste Schritt: Die Mitgliederliste aus Excel in ein echtes System übertragen. Das klingt aufwendig. In der Praxis dauert es bei einem Verein mit 200 Mitgliedern etwa einen Nachmittag.
Vorbereitung der Excel-Datei:
- Öffne deine Mitgliederliste in Excel oder Google Sheets.
- Prüfe die Spaltenüberschriften. Jede Spalte braucht eine eindeutige Bezeichnung: „Vorname”, „Nachname”, „E-Mail”, „Eintrittsdatum”, „Beitragsstufe”.
- Lösche leere Zeilen und Kommentare die in Zellen stehen.
- Prüfe die Datumsformate. Alle Daten müssen im gleichen Format sein (z.B. TT.MM.JJJJ).
- Exportiere die Datei als CSV-Datei (Datei → Speichern unter → CSV).
Die meisten Vereinssoftware-Anbieter haben Import-Funktionen für CSV-Dateien und bieten eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Import (→ Tool-Register für aktuelle Empfehlungen).
Konkretes Beispiel: Der TSV Musterstadt hat seine 280-Mitglieder-Liste in einer Excel-Datei mit 23 Spalten. Davon sind 8 Spalten leer oder enthalten veraltete Informationen (z.B. Faxnummer). Der erste Schritt: Diese 8 Spalten löschen. Der zweite Schritt: Die 15 verbliebenen Spalten auf einheitliche Formate prüfen. Zeitaufwand: 45 Minuten. Danach kann die bereinigte Liste in jede Vereinssoftware importiert werden.
Checkliste: Ist mein Verein bereit für KI?
Abschnitt betitelt „Checkliste: Ist mein Verein bereit für KI?“Geh diese zehn Punkte durch. Jeder Punkt den du abhaken kannst, bringt deinen Verein näher an die sinnvolle KI-Nutzung.
- Unsere Mitgliederliste existiert digital (Excel, CSV oder Vereinssoftware)
- Mindestens eine Person im Vorstand hat Zugang zu allen digitalen Vereinsdaten
- Wir haben eine Vereins-E-Mail-Adresse (nicht die private Adresse eines Vorstandsmitglieds)
- Unsere wichtigsten Dokumente (Satzung, Protokolle, Finanzen) sind digital gespeichert
- Wir nutzen einen Cloud-Dienst für gemeinsame Dateien
- Die Zugangsdaten für Website, E-Mail und Bankkonten sind dokumentiert und sicher hinterlegt
- Unsere Website ist aktuell (mindestens die Kontaktdaten und Termine stimmen)
- Wir haben eine Datenschutzerklärung auf der Website
- Mindestens ein Vorstandsmitglied hat ein Smartphone mit Internetzugang
- Wir haben ein Budget (auch wenn es klein ist) für digitale Werkzeuge
Auswertung: 8-10 Punkte: Dein Verein ist bereit für KI. 5-7 Punkte: Gute Basis, ein paar Lücken schließen. Unter 5 Punkte: Starte mit den Grundlagen aus dieser Lektion, bevor du KI-Tools einsetzt.
Praxisübung: Digitale Bestandsaufnahme
Abschnitt betitelt „Praxisübung: Digitale Bestandsaufnahme“Nimm dir 30 Minuten Zeit und beantworte diese Fragen für deinen Verein:
- Welche Daten existieren? Liste alle Datenquellen auf: Mitgliederlisten, Finanzunterlagen, Protokolle, Fotos, Korrespondenz, Verträge.
- Wo liegen diese Daten? Trage für jede Datenquelle ein: Papier, lokaler Computer, USB-Stick, Cloud, Vereinssoftware.
- Wer hat Zugang? Notiere für jede Datenquelle, welche Personen darauf zugreifen können.
- Wo gibt es Doppelerfassungen? Werden Mitgliederdaten an mehreren Stellen gepflegt? Gibt es zwei verschiedene Excel-Listen?
- Was fehlt? Welche Punkte aus der Checkliste oben kannst du nicht abhaken?
Wenn du fertig bist, hast du: Eine vollständige Übersicht über den digitalen Zustand deines Vereins und eine klare Liste der nächsten Schritte.